Klangenergie

Klangenergie

Das Quatuor Terpsycordes begeisterte im Hans-Huber-Saal

Was braucht es im Leben wohl für Zufälle, dass sich ein solch homogenes Quartett wie das Quatuor Terpsycordes zusammenfindet? Keinem Zufall, sondern echter Könnerschaft entsprang hingegen die herausragende Qualität dieses Konzertabends bei der Gesellschaft für Kammermusik: Drei Werke aus drei Epochen bargen in der Interpretation des in Genf beheimateten Ensembles eine solche Balance, einen so fein abgestimmten Klanggestus und eine so konzentrierte, für keinen Moment abbrechende Stringenz, dass es sich bei ihrem Erfolg mitnichten um eine Eintagsfliege handeln dürfte.

Mit Beethovens zweitem Rasumowsky-Quartett gelang den vier Musikern eine geerdete Interpretation voller musikalischer Geistesblitze. Ihr energiegeladenes Spiel offenbarte sich nicht nur anhand der fliegenden Brille des Cellisten, sondern bot auch sonst Augenfälliges: Die vier Streicher warfen mit Blicken einander Melodiefetzen zu und übergaben mit den Instrumenten reihum den Stab der Melodieführung, so dass man die Struktur des Stückes nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit den Augen verfolgen konnte.

Zurücknahme. Auch bei Robert Schumanns erstem Streichquartett war die Einigkeit unter den vier Instrumentalisten frappant. Dabei zeigte jeder einzelne durchaus individuelle Qualitäten: Girolamo Bottiglieri bestach durch seinen warmen, weichen Geigenklang und war Primus inter pares im besten Wortsinn: Nie dominierte er als erster Geiger das musikalische Geschehen, nahm sich bei den Soli seiner Kollegen vollkommen zurück, so dass auch die zweite Geigerin, Raya Raytcheva, nicht künstlich auftrumpfen musste, wenn sie an der Reihe war. Ihre vermittelnden Gesten knüpften ein wichtiges Band zu den tiefen Streichern, bei denen Caroline Haas mit ihrer selten schönen, so klaren wie warmen Bratsche und François Grin am dunklen Cello-Fundament mit vielschichtigen Klängen begeisterten.

Selbst an die «Légende à quatre» des 26-jährigen Genfer Gregorio Zanon, einem sehr streicherisch gedachten Werk, das die ganze Länge des Griffbretts mit all seinen möglichen Haltestationen genauso auskostete wie die Raffinessen des Bogenspiels, traten die Musiker mit einer solchen Begeisterung heran dass sie mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurden.

Jenny Berg